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Novell - eine Geschichte

Firmengeschichte

Ende der 70er Jahre entstand die Firma Novell Data Systems in Utah. Sie beschäftigte sich hauptsächlich mit der Produktion und dem Vertrieb von Hardware u. a. des Z80- Computers, Druckern und Zubehörteilen.

Zu Beginn der 80er Jahre orientierte sich die Firma stärker im Netzwerkbereich. In Zusammenarbeit mit Absolventen der Brigham-Young-Universität entwickelte Novell Data Systems einen Server, der auf proprietäre Hardware aufbaute. Superset war damals für die notwendige Software verantwortlich, während Novell Data Systems die Hardware bereitstellte.

1983 stand Novell Data Systems vor dem Ende. Safeguard Scientifics kümmerten sich aber um eine Neuorganisation und die wirtschaftliche Sanierung. Es entstand ein neues Unternehmen mit dem Namen NOVELL. Der neue Präsident Ray Noorda bestimmte das Schicksal von Novell in den folgenden zehn Jahren. Die Entwicklung von Novell ist weitgehend an die Weiterentwicklung seiner Produkte gebunden. Hier also nur einige Beispiele zur Geschäftsentwicklung von Novell in den letzten Jahren.

1994 hatte Novell (laut IDC von 11/94) einen Marktanteil von 72% bei den Netzwerkbetriebssystemen und im Client Server Segment (Gartner Group) einen Anteil von 70%. Mit 40 Millionen Anwendern in 4 Millionen LANs kann man schon von einen De-Facto-Standard sprechen, den Novell mit NetWare 3 auf den Markt gebracht hat.

1997: Gewinn 191 Millionen Dollar; Steigerung zum Vorjahr 87%

1998 beschäftigte Novell 4700 Mitarbeiter im Unternehmenssitz Provo (Utah) und den Produktionsstandorten in Utah, in Kalifornien und in Indien. Novell hat ca. 40 Niederlassungen weltweit. Der Umsatz betrug 1998 1,1 Millarden.Dollar. Novell ist damit der größte unabhängige Anbieter von Netzwerk-Software weltweit. Rund 50% der US Unternehmen nutzen Novell-Software.

2000: Die Zahlen des ersten Quartals zeigen Umsatzeinbußen. Novell schiebt dies auf das nachwirkende Jahr 2000-Problem. Der Umsatz lag bei 316 Millionen Dollar, davon wurden 154 Millionen über NetWare erwirtschaftet.

Produktgeschichte
Die Produktgeschichte von Novell beginnt erst im Jahr 1993, als das neue Unternehmen aus Novell Data Systems entsteht.
NetWare ist das Netzwerkbetriebssystem von Novell. Es ist für die Client Server Architektur ausgelegt, d.h. der zentrale Server stellt die Ressourcen zur Verfügung und verwaltet sie auch, damit die Clients diese Ressourcen nutzen können. Das Produkt wurde ständig weiterentwickelt. Das erste Ziel bei der Entwicklung war das Bereitstellen von Speicherkapazitäten im Netz (File Services) und die Nutzung von zentralen Druckern (Print Services).
Die erste Präsentation des Network File Servers von Novell fand im Januar 1983 statt. Danach erschienen zahlreiche neue Versionen mit ständig wachsenden Funktionen.

ShareNet oder NetWare86
Im Jahr 1983 entstand aus dem vorhanden Know-How schnell ein Netzwerkprodukt für den IBM-PC. Der File-Server, der unter ShareNet lief, war ein Rechner mit Motorola 6800 Prozessor und 256 KB RAM (daher wurde ShareNet oft auch NetWare68 genannt). Das Netzwerkbetriebssystem war
als Remote File System konzipiert: Der Server steuert, verwaltet und kontrolliert den Zugriff auf die Dateien. Bei diesem System war proprietäre Hardware nötig, wie z. B. spezielle Netzwerkadapter, außerdem war nur Sterntopologie möglich. NetWare86 wurde für die IBM-PC/XT-Architektur entwickelt. Das System war nicht mehr an die Hardware gebunden und es gab auch keine vorbestimmte Topologie mehr. Die File Services wurde wie unter ShareNet realisiert. Die ersten Netzwerkbetriebssysteme hatten schon eine Fehlerbehandlungstechnik:
das SFT (System Fault Tolerance) mit der Hot-Fix Technologie. Dadurch gab es keine Beeinträchtigung der File Server Tätigkeit durch defekte Blöcke auf der Festplatte.

NetWare 2.x
Bis zum März 1991 erschienen zahlreiche NetWare Versionen. Die bekanntesten und erfolgreichsten darunter waren:
ELS NetWare I und II
Advanced Netware 286
SFT NetWare
NetWare 386 (absoluter Marktrenner im Sept. 1989)

Die Versionen unterschieden sich in der möglichen Benutzeranzahl, der unterstützten Netzwerkadapter und in ihrer Funktionalität. Im März 1991 wurde die drei erst genannten zu einem neuen Produkt zusammengefaßt: NetWare 2.2. Diese Version war zum ersten Mal skalierbar. Die Grundeigenschaften des neuen Systems waren:

NET$OS.EXE
Das Installationsprogramm NETGEN generierte eine ausführbare Datei die NET$OS.EXE. Diese Datei war das gesamte Netzwerkbetriebssystem. Die Installation war entsprechend langwierig und schwierig. Außerdem konnten Konfigurationsänderung, z. B. am Server oder die Neuanlage eines Benutzers, nur durch eine Neugenerierung des System aufgenommen werden. Das kostete viel Zeit und Nerven. (Übrigens wurde die Installation über 40 Disketten, die ständig zu wechseln waren, durchgeführt.)

Dedicated und Non-Dedicated Modus
Der Non-Dedicated Modus war anfangs sehr verbreitet, der Server konnte auch als Client genutzt werden. Da die Rechner sehr teuer waren , konnte so ein Arbeitsplatz eingespart werden. Die Doppelnutzung war aber sehr gefährlich, weil bei rechenintensiver Belastung des Clients der ganzen Netzbetrieb litt. Ein Absturz der Client-Anwendungen hatte gar den Totalausfall des Netzes zur Folge.

Serverorientierung
Der Administrator mußte jeden Server einzeln verwalteten. In einen Netz mit mehreren Servern hieß dies z. B. daß neuen Benutzer auf allen Servern einzeln eingerichtet werden mußten.

Value Added Process (VAP)
Das Netzwerkbetriebssystem konnte um neue Funktionalitäten erweitert werden, indem  man die VAPs bei der Installation mit aufnahm. Allerdings war das ein großes Risiko: Ein schlecht funktionierender VAP bremste den Server aus und konnte ihn ggf. sogar zum Stillstand bringen.

Print Services:
Bisher konnten Drucker nur direkt an den File Server angeschlossen und dort als Netzwerkdrucker eingesetzt werden. Jetzt werden Druckvorgänge über einen Spooling-Prozeß abgewickelt. (so ähnlich wie bei UNIX)
  •  Einführung einer Druckerwarteschlange: Der Druckauftrag geht über die parallele Schnittstelle an die Druckerwarteschlange. Der Print Server arbeitet die Aufträge nacheinander ab und löscht sie danach aus der Auftragsliste.
  • flexibler Druckerstandort: Der Drucker muß nicht mehr am Server angeschlossen sein. Er kann auch dezentral über einer Workstation angesprochen werden.

 

System Fault Tolerance (SFT)
Das SFT wurde um einen neuen Level II (SFT II) erweitert: Die Sicherheit wurde durch redundante Festplatte und Controller erhöht. Die neuen Möglichkeiten waren

  • Disk Mirroring
  • Disk Duplexin
  • Transaction Tracking System (TTS)

 

NetWare Client
Die NetWare Client Eingabeaufforderung (Shell) basiert auf einem Softwarepaket, daß nach dem Start von DOS aktiviert wird und danach im Hauptspeicher resident bleibt. Von dieser Shell wird die Netzwerkkarte initialisiert, die Verbindung zum Server aufgebaut und die File und Print Services bei Bedarf in Anspruch genommen. Die Shell für den Client heißt NETX.

 

NetWare 3.x
Im März 1991 wurde NetWare 386 umbenannt in NetWare 3.1. Es gab eine Vielzahl von Verbesserung gegenüber der alten Version. Unter anderem wurde die gesamte Leistungsfähigkeit erweitert und es wurden ein Reihe neuer Features entwickelt.
NetWare 3.x überzeugt vor allem in der Stabilität und der Verfügbarkeit. Die Installation wurde wesentlich vereinfacht. Mit diesem Produkt erreichte Novell einen Marktanteil von 72%. NetWare 3.x ist vollständig kompatibel zu der NetWare 2.x - Reihe.

 

Vergleich Netware 2.x und Netware 3.x

  Netware 2.x Netware 3.x
x-Bit Betriebssystem 16 32
max. Anzahl an eingeloggten Benutzern 100 250
Anzahl der Unterstützten Netzwerkadapter 15  
Non-Dedicated ja nein
OS/2 Clients ja ja
Macintosh (Apple) Clients ja ja
UNIX Clients nein ja
Disk Mirroring ja ja
Disk Duplexing ja ja
VAP (Value Added Process) ja nein
NLM (Netware Loadable Module) nein ja
Prozessor 286 386/486
max. Dateigrösse 255MB 4GB
max. Anzahl offene Dateien 1.000 100.000
Volumes pro Server 32 64
Verzeichniseinträge pro Volume 32.000 2.097.152
Speicherkapazität 2GB 32TB
max. RAM 12MB 4GB
Remote Management nein ja
integrierte Backup-Technologie nein ja

 

Für NetWare 3.x wurden eine Reihe neuer Features entwickelt.


NLM

Die NLM (Netware Loadable Module) wurden anstelle der VAP eingesetzt. Diese Module werden vom Netzwerkbetriebsystem bei Bedarf dazu geladen, ohne daß der Serverbetrieb gestört wird. NLM lassen sich auch im nachhinein installieren im Gegensatz zu den VAP, die direkt bei der Installation mit aufgenommen werden mußten. Diese neue Möglichkeit Zusatzfunktionen in das Netzwerk einzubinden war ein revolutionärer Schritt in der Betriebssystemprogrammierung. NLMs gab es z.B. für Datenbank oder EMail Services.

 

Offene Entwicklungsplattform
Die Programmiersprache für NLM war C. Novell hat von Anfang an eine offene Entwicklungsplattform für die NLM zur Verfügung gestellt, um Drittanbieter zu der Programmierung von NLMs zu bewegen. Diese  Strategie war ein voller Erfolg.

Serverorientierung
NetWare 3.x blieb serverorientiert; das Management des Netzes erfolgt weiterhin über einzelne Server, die Verwaltung des Netzes über eine serverbezogene Datenbank (die Bindery). Jede Änderung wird in der Bindery umgesetzt, dadurch wird die Verwaltung in großen Netzen (mit vielen Servern) aufwendig. Auch für den Netzbenutzer gibt es Probleme, er muß sich an jedem Server einzeln anmelden. Zur Vereinfachung kann der Supervisor ein Login Skript für den Benutzer erfassen, das alle Anmeldeprozeduren übernimmt (dafür müssen aber alle Paßwörter gleich sein).

 

SFT (Level III)
Das SFT übernimmt alle Funktionen, die schon von NetWare 2.x bekannt sind. Novell hat die Technologie erweitert und daraus ein eigenes Produkt gemacht: SFT III. Dieser Sicherheitsmechanismus spiegelt den kompletten Server statt wie bisher "nur" Platte und Controller. Zur Realisierung der Technik müssen zwei Rechner mit gleicher Hardware im selben LAN-Fragment ganz normal ans Netz (über Netzwerkkarte)  ngeschlossen werden.
Zwischen den beiden Rechnern wird noch eine spezielle bidirektionale Punktzu- Punkt Verbindung mit hohen Datendurchsatz (am besten eine Glasfaserverbindung) eingerichtet. Dieser MSL (Mirrored Server Link) synchronisiert RAM Speicherinhalt und Festplattendaten, so daß bei Ausfall eines Rechners, der andere lückenlos dessen Aufgaben übernehmen kann.

 

Backup-Technologie
NBACKUP oder SBACKUP
Mit diesen Befehlen kann man den Arbeitsplatz oder Server einfach sichern und damit eine größere Sicherheit für die Daten erreichen.

Remote Management (Fernsteuerung)
Diese Neuerung war ein radikaler und bahnbrechender Fortschritt. Mit den Tools RCONSOLE oder ACONSOLE war die vollständige Fernsteuerung möglich. Der Supervisor kann Änderungen im Netzwerk am Arbeitsplatz (statt direkt am Server) erfassen. Die Befehle "verlegen" die Systemconsole einfach auf den Arbeitsplatz des Supervisors.

Ressourcenverwaltung<
Durch das NLM MONITOR konnten der Ressourcenverbrauch im Netz (Echtzeitüberwachung von bis zu 150 Einheiten) und der Status der eingesetzten NLMs überwacht werden. Außerdem war das Tool zur Analyse einsetzbar.

 

NetWare 4.x
Im März 1993 sollte eine neue Ära für große Netzwerke bzw. WANs eingeleitet werden. Die neue Version NetWare 4.0 wurde aber ein Flop. Sie erreichte mal gerade 10% Marktanteil. Dies ist zum Teil auch auf Marketingfehler des Unternehmens zurückzuführen. Trotzdem war NetWare 4.0 ein Schritt zu einem komplett neuen Netzwerkbetriebssystem. Die neue Architektur wurde auch von NetWare 4.1 übernommen.

PERSONAL NetWare
Personal NetWare ist ein Peer to Peer Netzwerkprodukt der Firma Novell. Es war also nur für überschaubare Netzwerkumgebungen geeignet. Jeder Arbeitsplatz ist auch ein kleiner Server, die einzelnen Ressourcen werden in der Regel über eigene Paßwörter geschützt.Allerdings ist nur eine Anmeldung im Netz nötig, da es eine gemeinsame Datenbank gibt, in der sämtliche Anwender mit ihren Eigenschaften und  Berechtigungen abgelegt sind. Die Datenbank wird regelmäßig auf die einzelnen Server repliziert. Personal NetWare ist das erste netzwerkorientierte Betriebssystem von Novell. Der Ausfall eines Servers hat keine Auswirkungen auf das Gesamtnetz, allerdings stehen seine Ressourcen nicht mehr zur Verfügung. Sobald der Server wieder im Netz angemeldet ist, stellt das Netzwerkbetriebssystem alle Verbindungen wieder her. Hier ist keine Neuanmeldung des Benutzers erforderlich. Personal NetWare kann in andere NetWare Systeme eingebunden werden. Es unterstützt auch DOS oder WINDOWS Clients, allerdings hat es eine schlechte Performance, wenn das Netz etwas größer wird. Der Datenschutz ist schwierig und die Integration in andere IV-Welten (z.B. Host) ist nicht möglich. Personal NetWare unterstützt max. 50 Anwender.

 

NetWare 4.x
NetWare 4.1 ist ein vollkommen neues Netzwerkbetriebssystem, auch wenn es viele Funktionen der Vorgänger übernommen und verbessert hat. Die grundlegende Neuerung ist die Struktur des Netzes: Seit NetWare 4.1 steht das Gesamtnetzwerk im Mittelpunkt. Es ist netzwerk- statt serverorientiert.

 

Die klassischen Komponenten des Netzwerkbetriebssystem wurden weiter verbessert:
· File Services - dynamische Dateikomprimierung
- Block Suballocation (weniger Platzverschwendung beim Speichern kleinerer Dateien)
- Sekundärspeichersysteme z.B. Juke Box können wie Platten angesprochen werden. Die Datenmigration ist jederzeit möglich.
· Print Services - mehr Drucker, bessere Performance
· Sicherheit - SFT Level III wird standardmäßig eingebunden

Dazu kommen weitere Verbesserungen aus verschiedenen Bereichen.
· Es werden mehr Übertragungsprotokolle unterstützt.
· Das Netzwerkmanagement wird komplett über die NDS gesteuert.
· Ein neues Speichermanagement erlaubt das Testen von neuen NLMs während des Netzwerkbetriebs.

 

Produktpalette ab ca. 2000
NDS - Novell Directory Services
Novells Verzeichnisdienst hat weltweit mehr als 50 Millionen Benutzer. Mit NDS 8 können neben dem Unternehmensnetzwerk auch Internet-Ressourcen zentral gesteuert und verwaltet werden.

 

NetWare Serverplattformen
NetWare 5.1 basiert auf den offenen Standards des Internet Protokolls und bietet alle Funktionen der Vorgängerversionen.

NDS basierte Anwendung
z. B. EMail und Dokumentenmanagement auf unterschiedlichsten Rechnerplattformen mit GroupWise; Netzwerkmanagement mit ManageWise (Performance von Servern und anderen Ressourcen im Netz überwachen); ZENWorks (Zero Effort Networking) erlaubt das Administrieren von NT-Rechner im Remoteverfahren

 

Novell Internet Applikationen
sollen dem Kunden helfen, das rasant wachsende Internet schneller und intelligenter zu nutzen. Außerdem gibt es eine Reihe von Internet-Sicherheitslösungen.

 

Novell Services
Durch seine führende Position ist Novell zu einem kompetenten Ansprechpartner für Training, Service und Support geworden. Die von Novell Education gesetzten Standards sind weltweit anerkannt.